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60 Jahre Hermesdeckungen

Weg einer Hermesdeckung

STATION 4: PRÜFUNG DER UNTERLAGEN FÜR DIE EXPORTKREDITGARANTIE

Die Kreditprüferin in der Abteilung Underwriting, die den Antrag bearbeitete, schaute zunächst nach, ob die Firma Garcia bereits als ausländischer Kunde – kurz AK - registriert ist. Vielleicht hatte ja einer unserer Mitbewerber schon mal mit Garcia Geschäfte gemacht und ebenfalls eine Hermesdeckung beantragt. Positive Zahlungserfahrungen könnten dann das Prüfungsverfahren unseres Antrags erleichtern. Doch leider war diese Firma bislang noch unbekannt.

Wie gut, dass ich dem Antrag einige Unterlagen über die Firma Garcia beigelegt hatte, doch das allein reichte der Prüferin nicht aus. Sie brauchte noch neutrale Auskünfte, die eine Kollegin aus dem Bereich Service von Auskunfteien in Kolumbien und bei Garcias Hausbank einholte. Auch ein Jahresbericht lag über diese Firma vor. Nach zwei, drei Tagen hatte die Kreditprüferin alle Informationen über Garcia zusammen.

Der Auftragswert der Betonmischfahrzeuge war so hoch, dass ich meinem Kunden ein Zahlungsziel von drei Jahren einräumen konnte. Sofort fällig war jedoch eine Anzahlung von 15 Prozent, die restliche Summe sollte in sechs Halbjahresraten bezahlt werden. Das war schon fast der ganze Kreditvertrag. Dann unterschrieb ich noch eine Erklärung, die besagte, dass dieses Geschäft ohne Korruption zustande gekommen war. Klar, dass die Bundesregierung keine Exportgeschäfte absichert, bei denen Bestechung im Spiel ist.

An was die hier so alles denken müssen: diese Vielfalt von Abteilungen und Abläufen und kein Geschäft wie das andere. Doch bei den Mitarbeitern schwingt gerade deshalb Begeisterung und Einsatzfreude mit. “Bilanzanalysen sind immer spannend“, sagte die Kreditprüferin. “Außerdem finde ich es sehr reizvoll, unterschiedliche Unternehmen, Modalitäten und Prozesse kennenzulernen und den internationalen Bezug mitzubekommen.“

Nun landete unser Antrag im Bereich Data Collecting. Weil meine Firma für die Hermesdeckungen ein neuer Kunde war, kamen auch die Mitarbeiter der Abteilung General Council ins Spiel, die erstmal unsere Adresse und unseren Handelsregistereintrag prüften und uns eine „DN-Nummer“ gaben, wobei DN für Deckungsnehmer steht. Beim Data Collecting wurde nun unser Antrag registriert. Die Mitarbeiter gaben alle Vertragsinhalte ins System ein und legten eine eigene Akte an. Ganz umsonst ist das natürlich nicht. Für den Antrag ist eine Gebühr zu entrichten – egal ob es zu einer Deckung kommt oder nicht.

Die Kreditprüferin hatte nun alle benötigten Zahlen und Fakten und prüfte, ob Garcias Geschäfte gut genug laufen, um voraussichtlich die Raten nach Deutschland zahlen zu können. Das schien zum Glück der Fall zu sein, sodass als nächstes die Höhe der Selbstbeteiligung eingetragen werden konnte, die Schultz & Schultz im Schadenfall selbst tragen muss. Nun war der Antrag schon fast fertig bearbeitet, aber gab es nicht noch eine Umweltprüfung?

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