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60 Jahre Hermesdeckungen

Weg einer Hermesdeckung

Station 8: Was wäre im Schadenfall passiert?

Was wäre eigentlich passiert, wenn die Firma Garcia, noch ehe sie alle Raten für die Betonmischfahrzeuge an uns überwiesen hätte, pleite gegangen wäre? Oder die Regierung Kolumbiens ein Zahlungsverbot für Auslandsverbindlichkeiten verhängt hätte?

Bei Zahlungsverzug hätte ich mich sofort an die Schadenspezialisten im Department Claims and Asset Management von Euler Hermes gewandt. Hier hätte man mir dann geraten, keinesfalls weitere Ware an die Firma Garcia zu versenden. Zunächst würde versucht eine außergerichtliche Einigung zu erzielen – dabei stehen die Schadenspezialisten dem Exporteur mit Rat und Tat beiseite. Unterstellen wir einmal, dass Garcia zahlungsunfähig geworden wäre, hätte es sich um einen wirtschaftlichen Schaden gehandelt. Und in diesem Falle wäre – bevor der Forderungsausfall entschädigt wird – erstmal eine Karenzfrist abzuwarten.

Diese beginnt mit dem Fälligkeitstermin der Zahlung und beträgt sechs Monate. Selbstverständlich hätte ich mit der üblichen kaufmännischen Sorgfalt ein Mahnwesen betreiben müssen. Erst dann wäre der eigentliche Schadenfall eingetreten und der Schadenantrag könnte nunmehr eingereicht werden. Die Formulare hierfür befinden sich im Internet. Außerdem hätten mir die Mitarbeiter von Euler Hermes geraten, dem Brief noch einige Unterlagen beizulegen, so z. B. den Ausfuhrvertrag, Zahlungs- und Forderungsbelege, Mahnkorrespondenzen. „Wenn Euler Hermes alle notwendigen Papiere vorliegen“, so ein Schadenmitarbeiter, „können Sie innerhalb von zwei Monaten mit der Schadenentscheidung rechnen.“ Fällt diese positiv aus, bekäme Schultz & Schultz den Betrag, den Garcia schuldet, innerhalb von einem Monat ausgezahlt, das heißt abzüglich der Selbstbeteiligung von 15 Prozent. Damit gehen unsere Forderungen gegenüber der Firma Garcia auf die Bundesrepublik über.

„Sie bleiben jedoch verpflichtet, die Rechtsverfolgung gegen Garcia fortzusetzen“, erläuterte uns der Schadenprüfer. Von diesem wollte ich zum Abschluss noch gern wissen, was er an seinem Job eigentlich so schätzte: „Hauptsächlich die Abwechslung. Jedes Geschäft ist anders, jedes Land hat seine Besonderheiten. Täglich passiert etwas Neues. Und die Berichts- und Arbeitsabläufe sind viel schlanker geworden. Das macht vieles leichter.“ Zum Glück war die Zahlungsunfähigkeit meines Geschäftsfreundes Garcia nur fiktiv, der Firma ging es blendend und wir konnten noch so manches Geschäft miteinander abwickeln – allerdings mit einer Hermesdeckung, denn man weiß ja nie…

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